FUNKENBRAUCHTUM:



Die grosse Menge der Westtiroler und Vorarlberger Spätwinterfeuer bilden die Bräuche am ersten Sonntag in der Fastenzeit(Invocavit,auch:Invocabit-der 6.Sonntag vor Ostern),der alten "Bauernfasnacht". In Vorarlberg und im angrenzenden Raum (Schweiz,Schwaben) trägt der Tag den Namen "Funkensonntag" oder "Alte Fasnacht", im Westtirol südlich und nördlich des Brenners wird der Tag auch "Holepfannsonntag" oder "Kassunntig" genannt.

Den ältesten Beleg für den Brauch des Funkenabbrennens finden wir in den Quellen nur
indirekt. So ist lediglich belegt,dass am 21.März 1090 durch eine Holzscheibe,die sich beim Scheibenschlagen verirrt hatte, das Benediktinerkloster Lorsch in Hessen in Brand geriet und in kürzester Zeit niederbrannte.Da das "Scheibenschlagen" seit jeher immer mit dem Funkenabbrennen einher ging,schliessen die meisten Forscher daraus, dass auch dieser Brauch so alt sein muss. dass dieser Feuerbrauch aber bis in die vorchristliche Zeit zurückgeht,ist bis heute nicht wissenschaftlich belegt und haltbar.

In früherer Zeit sammelte die Schuljugend auf einem von ihr gezogenen Wagen das Brennmaterial für den Funken. Im Chor ertönte dabei folgender Spruch:

"Pfifa,pfifa ho,

Buschla oder Stroh,

so wird der Funka hoh!"

Heute begibt sich die Funkenmannschaft bereits im Herbst ins Hohenemser "Gebirge", um die Reisigbuscheln,das wichtigste Material für den Funkenbau, zu fertigen. Es sind jedesmal mindestens 350 Stück Buscheln notwendig, damit am Funkensamstag beim Bau des Funkens alles planmässig ablaufen kann.

Am Fasnatdienstag wurde bislang immer die Funkentanne geschlagen. Die letzten Jahre war es der Funkenzunft  vergönnt, dass die Fichte im nahen "Tiergarten" geschlagen werden konnte, was den schwierigen Transport zum Funkenplatz stark vereinfachte.

Zur Zeit der Gründung und auch etliche Jahre danach, veranlasste der damalige Förster,Herr Ruch, dass man mit dieser Tanne vor der Aufrichtung einmal durch die Ortschaft zog. Dabei wurde die Tanne von maskierten Zunftmitgliedern begleitet und das Ganze erinnerte in seiner Art an den Brauch des "Blochziehens" oder der "Tannenfuhr", wie er aus dem Oberinntaler oder Schweizer Raum bekannt ist.

Heute wird dieser Umzug nicht mehr praktiziert, wohl weil die Verkehrssituation zu viele Umstände und Gefahren mit sich brächte.

Wenn dann der Funken am Sonntag nach Eintritt der Dunkelheit lichterloh brennt,dann fragt sich so mancher Zuschauer, was denn nun dieser Brauch bedeuten soll. In der Vergangenheit wurde das Funkenabbrennen vielfach mit der dunklen Zeit der Hexenverfolgungen in Verbindung gebracht und unbestreitbar sind äusserliche Parallelen(der Scheiterhaufen und die Hexe) vorhanden.

FunkenhexeIch will hier aber versuchen, im Gegensatz dazu darzulegen,dass dieser Brauch, von unserer Anschauung her, nichts damit zu tun hat.

Nach Hans Schöpf war das Feuer seit jeher zur Vertreibung von Geistern und Dämonen von grossem Nutzen.Die Leuchtkraft des Feuers soll alle Unholde und Feinde der nächtlichen Finsternis verscheuchen, bzw. die Brennkraft der prasselnden Lohe alles Schädliche verzehren. So versinnbildlicht die Hexe, die anderswo auch ein Mann sein kann(so ist in Schnifis im Jahre 1864 bei der "Schwabengängerin" Regina Lampert die Fasnachtshex ein aus Stroh gefertigter Mann mit einer Pfeife im Mund), den Winterdämonen, der auf dem "Scheiterhaufen" oder "Funken" verbrannt wird und dadurch die kalte Jahreszeit ein für allemal auszutreiben versucht wird.

Es haben bisher viele namhafte und weniger namhafte Leute versucht, den Ursprung des Funkenbrauchtums zu erforschen, alle Deutungen und Ergebnisse sind aber mit grosser Vorsicht aufzunehmen. Eindeutig belegt ist das Alles nicht.

Für die Erlacher Funkenzunft steht die Funkenhexe jedenfalls für den zu vertreibenden Winter und jede Missdeutung würde uns erschüttern. Im Vordergrund steht für uns das Fest und die Freude der Mitwirkenden und Zuschauer.

Ein grosses Feuerwerk, ein extra Funken für die Kinder am späteren Nachmittag, ein Kindefackelzug und am Abend der "grosse" Funken mit musikalischer Umrahmung tragen dazu bei.

Verfasst von Mag. Burghart Häfele

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